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Medizinrecht und Beweislast

Die Beweislast ist der springende Punkt im Arzthaftungsrecht!

Grundsätzlich muss der Patient nicht nur den Behandlungsfehler, sondern auch den Eintritt eines dadurch hervorgerufenen konkreten Gesundheitsschadens beweisen. Dies ist oft nicht möglich. Denn häufig leiden Patienten unter Vorerkrankungen, die sich nicht eindeutig abgrenzen lassen. Oder die Folgen eines Eingriffs in den lebenden Organismus sind nur selten mit letzter Genauigkeit nachzuvollziehen. Gerichtliche Sachverständige sprechen dann vom sog. schicksalhaften Verlauf.

Grober Behandlungsfehler führt zu Umkehr der Beweislast!

Ein grober Behandlungsfehler liegt vor, wenn es für das Abweichen vom medizinischen Facharztstandard keinen vernünftigen Grund mehr gibt, sodass ein Sachverständiger das ärztliche Verhalten als nicht mehr nachvollziehbar bezeichnet.

Unterlassene Befunderhebung dreht Beweislast auch!

Unterlassene Befunderhebung bedeutet, dass es der Arzt versäumt hat, eine dringend gebotene Untersuchung rechtzeitig durchzuführen. Oft handelt es sich um versäumte Laboruntersuchungen, Röntgenaufnahmen, MRT- und CT-Aufnahmen oder nicht durchgeführte klinische Untersuchungen.

Nur der erfahrene Patientenanwalt weiß, dass auch der einfache Befunderhebungsfehler zu einer Beweislastumkehr führt, wenn

  • mit mehr als 50%iger Wahrscheinlichkeit bei entsprechender Befunderhebung ein reaktionspflichtiges Befundergebnis erzielt worden wäre und
  • die Nicht-Reaktion auf diesen Befund grob fehlerhaft gewesen wäre.

Ein Dokumentationsfehler führt selten zu einer Beweislastumkehr. Bei groben Dokumentationsversäumnissen können aber Beweiserleichterungen eintreten.